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Von Wetterkapriolen, einer Olympiasiegerin und einem spontanen Feuerwehreinsatz

An der ersten Austragung nach dem grossartigen Jubiläum des letzten Jahres war vieles anders als sonst, das meiste davon nicht wirklich geplant. Mit Sandra Bärlocher war eine neue OK-Präsidentin am Werk und ein neues Speakerduo führte kompetent durch den Anlass. Dann war da die neue Streckenführung im Start-/Zielgelände bedingt durch den Umbau des Hallenbades, ein neuer Sieger durfte sich feiern lassen und vor allem spielte das Wetter regelrecht verrückt. Und ziemlich spontan stand erstmals, seit es den Walliseller Lauf gibt, eine Olympiasiegerin am Start. Umso erstaunlicher: Ein Jahr nach dem erfreulichen neuen Teilnehmerrekord wurde dieser dieses Jahr nochmals auf 1743 Finisher gesteigert! 

Seit es den Walliseller Lauf zu Gunsten krebskranker Kinder gibt, ist unter anderem sein Markenzeichen, dass er bei goldenem Herbstwetter stattfindet. Dies war 2013 definitiv nicht der Fall. Nicht nur hatte es die ganze Nacht in Strömen geregnet, nein es ging am Morgen so weiter, die vielen freiwilligen Helfer wurden beim Aufbau des Geländes förmlich geduscht.

Blitz und Donner für die Kleinsten

Es schien als ob Petrus all das Wetterglück der vergangenen Jahre diesmal negativ kompensieren wolle. Das ganze gipfelte in einem veritablen Gewittersturm mit Blitz und Donner, als die Kategorie Vater/Mutter/Kind um elf den Lauf eröffnete. Wohl mancher der Kleinen war froh, Mutter oder Vater bei diesem Unwetter an der Hand halten zu können.

Längere Strecke erschwert Vergleich der Zeiten zu früher

Alle drei Laufstrecken wurden dieses Jahr im Start-/Zielbereich wegen des Umbaus des Hallenbades anders geführt als früher und verlängerten sich dadurch um rund 250 Meter pro Runde. Zudem wurde auch der Start verlegt. Er lag nun auf der Zentralstrasse, wodurch die enge Kurve kurz nach dem Start im dichten Pulk entfiel. Da die neue Strecke in den Hauptkategorien nun genau zehn Kilometer misst und die neue Variante des Starts eigentlich die bessere ist, wird sich das OK überlegen, ob sie die Strecke nicht in Zukunft so belassen will. Dies würde allerdings bedeuten, dass die alten Streckenrekorde hinfällig würden, da sie sich mit den neuen Zeiten nicht mehr direkt vergleichen lassen.

Schnelle Schülerinnen und Schüler

Schon in den Kategorien Schülerinnen und Schüler wären die alten Rekorde wohl gepurzelt, wäre die Strecke die alte gewesen. Die beiden Sieger, Fabian Meeusen bei den Knaben und Lara Alemanni bei den Mädchen waren auf der längeren Strecke nur unwesentlich langsamer als die Rekorde auf der alten Strecke. Dies zeigt, wie schnell sie effektiv unterwegs waren. Ihre Leistungen sind mit Sicherheit als hervorragend einzustufen.

Die Feuerwehr dein Freund und Helfer

Der Dauerregen der Nacht hatte wie eine Streckeninspektion am Morgen alsgleich zeigte, den Weg im Hörnligraben komplett unter Wasser gesetzt. An ein Rennen war unter diesen Bedingungen nicht zu denken. Während die ersten Kategorien des Tages auf den kurzen Strecken liefen, musste dieses Problem irgendwie behoben werden. Da die Feuerwehr traditionell Streckenposten am Walliseller Lauf stellt, war die Verbindung zu den Fachleuten schnell und unbürokratisch hergestellt. Ohne lange zu fackeln kamen die leistungsfähigen Pumpen dieser Allzeit-bereit-Organisation zum Einsatz und als die ersten Läufer der Kategorien "offen", sowie Walking den Hörnligraben durchliefen, war der Weg bereits wieder passierbar!

Neuer Teilnehmerrekord

Zwar starteten die ersten Kategorien des Tages unter miserablen äusseren Bedingungen, doch schon da war augenfällig wie gross die Felder trotzdem waren. Offenbar sind Laufsportler hart im Nehmen! Als der Start der Hauptkategorien nahte, brach dann aber prompt sogar die Sonne durch. Nichts mehr war mit schlechten Bedingungen, sondern im Gegenteil musste man nun sogar von richtiggehend idealem Laufwetter sprechen. Gewohnt imposant war dann das riesige Teilnehmerfeld der Hauptkategorien, das die Zentralstrasse bis fast zum alten Feuerwehrgebäude hin füllte. Trotzdem dachte in diesem Moment wohl noch niemand an einen neuen Teilnehmerrekord, der dann aber beim Studium der Rangliste völlig überraschend festzustellen war. Mit 1743 Läuferinnen und Läufern beendeten dreissig mehr als letztes Jahr das Rennen! Als Gemeindepräsident Bernhard Krismer das riesige Feld auf die Strecke schickte, war der Sieger der letzten beiden Jahre, Maximilian Schwetz, leider nicht dabei, dafür mit Nicola Spirig die Olympiasiegerin im Triathlon!

Olympiasiegerin wird ihrer Reputation gerecht

Im Interview nach dem Rennen meinte sie zwar, eine Teilnahme am Walliseller Lauf sei halt attraktiver als ein gewöhnliches Sonntagstraining und deshalb, sowie wegen des guten Zwecks, hätte sie teilgenommen. Dies hinderte sie aber nicht daran, sich während praktisch des ganzen Laufs an die Fersen der "Walliseller Lauf-Ikone" Christian Zwicky, immerhin ein mehrfacher früherer Sieger, zu heften und den alten Streckenrekord, von immerhin keiner geringeren als der ehemaligen Spitzenläuferin Sabine Fischer aufgestellt, um neun Sekunden zu verbessern. Wenn man bedenkt, dass die neue Strecke rund 500 Meter länger als die alte ist, hätte sie diesen Rekord wohl pulverisiert! Dass sie den Lauf absolut locker absolvierte unterstreicht ihr riesiges Potential!

Ein neuer Sieger

Zwar fehlte der Sieger der letzten beiden Jahre, doch ob es ihm dieses Jahr zum Sieg gereicht hätte, ist fraglich. Mit Abusha Aberra aus Dietikon lief ein Läufer zum Sieg, welcher dem letztjährigen Zweiten, Negussie Bekele, auf der zweiten Runde locker davon lief. Und dieser Bekele war auf der längeren Strecke dieses Jahres deutlich schneller als letztes Jahr auf der kürzeren! Die Siegerzeit von 31.49min. hätte auf der alten Strecke wohl nicht zum Streckenrekord gereicht, wäre aber sicher eine der drei schnellsten aller Zeiten gewesen. Auch bei Aberra war auffällig, wie locker er den Sieg nach Hause lief. Wie bei Nicola Spirig scheint da noch Steigerungspotential vorhanden zu sein.

Kostüme, Jongleur und Steelband

Der Walliseller Lauf ist mehr als ein Laufsportanlass. Seines guten Zwecks wegen, lockt er in der Regel viele Zuschauer an und die Organisatoren sparen nicht mit guten Ideen für ein Rahmenprogramm. Dieses Jahr litt die Stimmung am Anlass sicher am Anfang unter dem schlechten Wetter, doch spätestens als sich die Sonne zeigte, war es eigentlich wie immer. Auch die Guggemusig Chlüppliseck aus Kloten war wieder vor Ort und spielte ihre "schaurig schönen Klänge" am Schluss in der Mehrzweckhalle. Dieses Jahr war sie aber nicht die einzige, welche für musikalische Klänge sorgte. Sie wurde unterstützt durch die Steelband Abraccadabra aus Zürich, deren Musik am Anfang nicht so richtig zum trüben Wetter passen wollte, dann aber diverse Läuferinnen und Läufer dazu brachte, sich tanzend an den Start zu begeben. Im Läuferfeld gab es auch den einen oder anderen, der in einem Kostüm startete, so zum Beispiel einen Superman oder einen Batman. Für Staunen sorgte aber vor allem ein Läufer, welcher sich eine Clownnase aufgesetzt hatte und zumindest den ganzen Start-/Zielbereich wenn nicht gar die ganzen zehn Kilometer der Strecke mit drei Bällen jonglierend absolvierte! [Beim Jongleur handelte es sich um 'die Laufende Nase', und sie jonglierte während den ganzen 10 Kilometern, Anm. d. Redaktion]

OK Präsidentin besteht Feuertaufe souverän

Der "Vater" des Walliseller Laufs, Stefan Cescutti, beschloss nach zwanzig Jahren ins zweite Glied zurück zu treten. Er war auch dieses Jahr natürlich vor Ort und half im OK tatkräftig mit. An der Spitze des OKs stand aber mit Sandra Bärlocher jemand anders. Und diese erste Austragung unter ihr war ein absoluter Erfolg. Dies nicht nur wegen des neuen Teilnehmerrekords sondern auch weil trotz der erschwerten Bedingungen – man denke nur an die Pumpaktion der Feuerwehr – der ganze Anlass unaufgeregt, professionell organisiert und ohne die geringsten Probleme über die Bühne ging. Sicher ein positives Beispiel einer gelungenen Stabübergabe.

Und schliesslich ist da noch der gute Zweck

Stefan Cescutti hat seinerzeit diesen Lauf auf die Beine gestellt, weil er in seinem familiären Umfeld von der hinterlistigen Krankheit Krebs betroffen war. Was daraus entstanden ist, ist eine wahre Erfolgsgeschichte. Jahr für Jahr kommen tausende wenn nicht zehntausende von Franken zusammen, die ganz direkt und unbürokratisch von Krebs betroffenen Familien zu Gute kommen. Hinter dem Anlass steckt ein Heer von Helfern, welche ebenfalls Jahr für Jahr uneigennützig einfach zur Stelle sind und dafür sorgen, dass es ein weiteres Jahr heissen kann: Auch dieses Jahr war der Walliseller Lauf zu Gunsten krebskranker Kinder ein Erfolg.

Karl Schlumpf - Anzeiger von Wallisellen

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