Olympiateilnehmerin pulverisierte Streckenrekord

Ein Tag der Rekorde am Walliseller Lauf

(Bericht Anzeiger von Wallisellen, 7. November 2000/ Karl Schlumpf)

Ein neuer Teilnehmerrekord mit 841 klassierten Läuferinnen und Läufern und vier (von möglichen neun) neue Streckenrekorde, darunter die beiden der Hauptkategorien : Beim diesjährigen Walliseller Lauf zu Gunsten krebskranker Kinder und Jugendlicher drängt sich wieder einmal der Gebrauch des Superlativs auf. Davon nicht auszunehmen ist das Wetter. Nachdem die Helfer bei trübem, regnerischem Wetter am Samstag alles bereit gestellt hatten, schien am Sonntag die Sonne den ganzen Tag vom stahlblauen Herbsthimmel und bescherte allen Anwesenden einen traumhaften Tag.

Das Wetterglück ist dem Walliseller Lauf seit seiner ersten Austragung 1993 mit Ausnahme von 1998 treu. Das Wetter Ausgabe 2000 war aber einfach noch etwas schöner, noch etwas strahlender als gewöhnlich. Wann kann man sich im November schon im T-Shirt nach draussen wagen ohne zu frieren ? Am letzten Sonntag um die Mittagszeit konnte man!

Tolle Stimmung - was denn sonst ?

Wer sich im Start- und Zielgelände aufhielt, musste ganz einfach guter Stimmung sein. Riesige Girlanden aus Ballonen spannten sich über den Zieleinlauf, die Läuferinnen und Läufer wurden angefeuert, das Ok hatte "Rätschen" verteilen lassen und wenn Läuferinnen oder Läufer das Ziel passierten, herrschte zum Teil ohrenbetäubender Lärm. Nicht zu vergessen, die Live Band 5-Inch, welche mit solidem, eingängigem Sound einige Sets zum besten gab, welche "tote Zeiten" wunderbar überbrückten. Wenn man auf das Urteil der Zuhörer abstellt, war es vor allem die Stimme der Sängerin, welche gefiel. Allerdings spielten auch die übrigen Bandmitglieder ihren Part äusserst souverän.

Schnelle Schüler und Schülerinnen

Als erste gingen Schülerinnen und Schüler auf die 1,95 km messende Kurzstrecke. Dabei fielen gleich beide Streckenrekorde. Wie schnell der Sieger bei den Schülern, Loris Hutterli aus Dübendorf, unterwegs war, illustriert die erste, spontane Reaktion des Speakers, der sich laut fragte, ob da alles mit rechten Dingen zugegangen sei (betreffend Jahrgang zum Beispiel), als der Sieger schon nach 6:16min. im Ziel war und damit den alten Streckenrekord aus dem Jahre 94 um über eine halbe Minute unterbot!
Bei den Schülerinnen siegte die erst zwölfjährige Lina Miglar aus Wallisellen. Sie unterbot den alten Streckenrekord immerhin um elf Sekunden. Wie stark Lina an diesem Tag war, zeigt aber vor allem die Tatsache, dass sie eine gute Stunde nach ihrem Sieg gleich noch zusammen mit ihrem Vater die Kategorie Sie&Er gewann!

Verblüffende Ergebnisse von Doppelstartern

Damit war sie nicht die einzige Doppelstarterin, die verblüffte. So erreichte zum Beispiel ihr Vater, Urs Leu nach dem Sie&Er-Sieg in der Hauptkategorie den vierten Rang in der Kategorie M2 und den zehnten insgesamt. Noch erstaunlicher die Leistung von Ruben Oliver, der mit seiner Partnerin, Christine Kaiser, in der Kategorie Sie&Er zweiter geworden war, weniger als eine Stunde später auch in der Kategorie M1 zweiter und damit vierter insgesamt der Hauptkategorien wurde!

Sie&Er im Zeichen von Vater&Tochter

Damit ist auch schon der Ausgang der wie immer attraktiven Sie&Er-Kategorie vorweggenommen, in der ein Partner und eine Partnerin abwechslungsweise je zweimal die Kurzstrecke zu durchlaufen haben. Dabei war - wie erwähnt - eine Vater/Tochter-Kombination siegreich. Lina Miglar und Urs Leu verfehlten den Streckenrekord dabei um rund eine halbe Minute, wobei es die Tochter war, welche den Sieg nach Hause lief, hatte doch beim letzten Wechsel noch Ruben Oliver als erster an Christine Kaiser übergeben.
Bereits im vierten Rang klassierte sich mit Raja und Stefan Urner eine weitere Vater/Tochter-Kombination, was zeigt, dass dies in dieser Kategorie durchaus Schule macht. Zu erwähnen wäre weiter, dass Raja und Stefan Urner beide als Doppelstarter auch noch im Einzelrennen starteten und gute Resultate erzielten!
Zwischen Schülerinnen/Schülern und Sie&Er waren noch die Läuferinnen und Läufer der Kategorie Frauen und Männer offen ins Rennen gegangen, welche zwei Kurzrunden, also insgesamt 3,9km zu absolvieren hatten. In beiden Kategorien gab es packende Rennen, jedoch keinen neuen Streckenrekord, wobei die Siegerin bei den Frauen, Nadja Schneider aus Mosnang, diesen nur gerade um vier Sekunden verpasste.

Sensationelle Streckenrekorde in den Hauptkategorien

Nahezu 500 Läuferinnen und Läufer stellten sich um 13.00 Uhr zum Start der Hauptkategorien auf ; ein imposantes Feld! Das OK sah sich deshalb dazu gezwungen, den Start auf die Strasse hinter dem Freibad-Areal zu verlegen, um den Engpass Ausgangs Schwimmbadareal zu eliminieren. Selbstverständlich wurde die Strecke genau vermessen, sie war dieses Jahr auch so genau gleich lang wie die letzten Jahre. Dass einige Baustellen an der Strecke zu passieren waren, ergab zwar einige Ecken mehr, war aber kein Grund, die Strecke zu verändern.
Gespannt war man vor allem auf das Aufeinandertreffen zweier Läuferinnen. Mit Natascha Badmann, Siegerin des Ironman (oder besser : Ironwoman)-Triathlons auf Hawaii in diesem Jahr und Sabine Fischer, Olympiafinalistin in Sydney über 1500m, waren zwei absolute Spitzenathletinnen am Start. Während für Natascha Badmann die Strecke eher zu kurz war, war sie für Sabine Fischer wohl eher zu lang. Beide erklärten vor dem Start, dass sie zur Zeit eigentlich nicht in Wettkampfform seien. Doch das Publikum hoffte natürlich trotzdem auf ein spannendes Rennen. Und dies sollte es sowohl bei Damen, als auch Herren zu sehen bekommen.
Bei den Herren hatte sich bei einem Viertel der Strecke eine Viererspitze gebildet, doch schon bei der Zielpassage nach 9,5 Kilometern erschien Vorjahressieger Thomas Benz alleine an der Spitze mit knapp zehn Sekunden Vorsprung auf Jörg Hafner. Bei den Damen hatte Sabine Fischer schon bei Halbzeit alles klar gemacht, führte sie doch schon mit fast einer Minute Vorsprung auf Aicha Baakili vom TVUnterstrass. Ihre Durchgangszeit war dermassen schnell, dass schon zu diesem Zeitpunkt klar war, dass der Streckenrekord fallen würde. Dieser fiel auch bei den Herren. Thomas Benz lief die zweite Runde praktisch auf die Sekunde gleich schnell wie die erste und kam in 30,01 Minuten ins Ziel. Damit verbesserte er den alten Streckenrekord um sagenhafte 39 Sekunden! Beinahe wäre er sogar als erster Läufer unter 30 Minuten geblieben. Vielleicht wollte er sich dieses Ziel aber auf nächstes Jahr aufsparen, wer weiss ?
Noch eklatanter war die Verbesserung des Streckenrekords bei den Frauen. Sabine Fischer war rund 11/2 Minuten schneller als ihre Vorgängerin Alexandra Desax im Jahre 97 und pulverisierte den alten Rekord geradezu!

Gibt es auch einen neuen Spendenrekord ?

Nach diesem tollen Rennen war die Stimmung im Start-/Zielgelände vollends locker und aufgestellt, genau richtig für den Start in den Kategorien Walking und Plausch. Niemand wollte mehr gewinnen, es ging ums Mitmachen, vor allem ums Mitmachen für einen guten Zweck. Viel Lachen, viel Winken, viele strahlende Gesichter waren auszumachen, sowohl auf den Zuschauerrängen wie auch auf der Strecke. Dazu Livemusik von 5-Inch, später von der Guggemusig Chlüppliseck aus Kloten, die zum Walliseller Lauf gehört wie der Chasselas zum Fondue.
Gespannt sein darf man jetzt auf den 23. November, an dem die Scheckübergabe an die Krebsliga des Kantons Zürich erfolgt, welche traditionell mit dem Geld des Walliseller Laufs ein Ferienlager für krebskranke Kinder und Jugendliche organisiert. Neuer Läuferrekord plus lange Sponsorenliste = neuer Spendenrekord, diese Gleichung müsste eigentlich aufgehen. Und damit wäre ein weiterer Superlativ des Walliseller Laufs 2000 erreicht.

Und der neue Spendenrekord wurde erreicht, wie sich am 23. November herausgestellt hat: 25'000 Franken plus 3'000 Franken von der Gemeinde Wallisellen konnten an die Krebsliga des Kantons Zürich übergeben werden!